Empfohlen Elex

  • Das gnadenlos gute Rollenspiel!


    Kein Action-Rollenspiel hat mich gleichermaßen gefordert, frustriert und fasziniert wie Elex! Elex ist alles andere als leicht zugänglich, aber es motiviert unheimlich, wenn man sich auf das Spiel einlässt.


    Aller Anfang ist schwer...

    ...ist eigentlich eine Floskel, aber auf kaum ein Spiel trifft es so zu wie auf Elex. Eigentlich sollen Spiele von heute am Anfang leicht und zugänglich sein, damit man am Ball bleibt und spielt. Piranha Bytes, das Rollenspielstudio aus Essen, bekannt für die Gothic- und Risen-Spiele, wirft dieses Konzept jedoch kurzer Hand über Bord. Elex ist gerade am Anfang sehr schwierig, frustrierend und öffnet sich erst im Laufe der Spielzeit in ein spannendes und interessantes Abenteuer.


    Die Welt von Elex ist eine postapokalyptische Science-Fiction-Welt. Nach einem Meteoriteneinschlag wird die Zivilisation, welche auf einem ähnlichen technischen Standard war, wie wir heute, nahezu ausgelöscht. Auf dem erdähnlichen Planeten "Magalan" überlebten fortan nur die Stärksten und sie schlossen sich zu vier verschiedenen Fraktionen zusammen. Die Berserker zogen sich in einen mittelalterlich anmutenden Lebenstil ohne Technik zurück, die Kleriker folgten den Prophezeiungen einer Gottheit und schwörten auf den technischen Fortschritt und die Outlaws wollten einfach nur überleben und machten es sich dabei am einfachsten: sie klauten sich hier Zeug zusammen und lebten nach ihren eigenen Regeln - also nach keinen. Die in der Aufzählung fehlende Fraktion der Albs dienen als Antagonist in der Welt von Elex. Sie sind das Volk, welches alle anderen so genannten "Freien Menschen" unterwerfen wollen, weil sie an ihr "Elex" wollen. Und somit spannen wir den Bogen zum Titel des Spiels: Elex ist ein neues Material, welches der Meteor auf Magalan brachte. Elex dient fortan an nicht nur als Währung (Elexit - vor allem bei den Outlaws), sondern auch als Quelle magischer Kraft (bei den Berserkern), als Energie für Waffen (bei den Klerikern) und als Lebensgrundlage (bei den Albs).

    Zu Spielbeginn sind wir ein emotionsloser Alb-Commander, der von seinen eigenen Leuten in einem Jet abgeschossen wird und danach sogar exekutiert werden soll. Dieser vorsätzlichen Tötung entgehen wir nur knapp. Fortan stehen wir ganz schön alleine da. Ohne Ausrüstung, ohne Heimat und vor allem plötzlich mit etwas, was wir bisher nicht kannten: Emotionen! Warum und wieso das Ganze? Darum dreht es sich in Elex!


    Wo bin ich denn hier gelandet?

    So starten wir also in das Spiel: Wir sind mittellos und verstoßen. Zunächst müssen wir uns darauf konzentrieren zu überleben und erste grundlegende Güter zusammen zu sammeln. Nach den ersten Gehversuchen, die als Tutorial funktionieren, entlässt uns Elex in eine riesige offene Spielwelt voller Abenteuer und Frustration. Wir können von Anfang an überall hin, überall rein und schier alles betreten, wären da nicht diese Feinde.

    Magalan ist eine tollen Open World, die merklich handgemacht ist. Die verschiedenen Klimazonen (Winterwelt, üppige Wälder, Wüste, Felsenlandschaft) gehen alle in einander über, ohne Ladebildschirm oder störende Kanten. Die Entwickler haben sich viel Mühe dabei gegeben, die Landschaften und Übergänge zwischen ihnen glaubwürdig zu gestalten. Elex verfügt über eine offene Welt, die stets interessante Orte bietet - und das tolle ist: Erkunden wird belohnt! An den verschiedensten Ecken und Winkel haben die Essener Spielemacher kleine Items, Geschichten oder Szenarien hinterlegt. Der Haken: Auch Monster und Feinde! Und die zu besiegen ist doch gerade anfänglich recht kniffelig.

    Die postapokalyptische Welt erscheint mir glaubwürdig und liebevoll ausgearbeitet. Trotz des doch befremdlich klingenden Settings (O-Ton Piranha Bytes: "Sciene-Fantasy"), finde ich mich gleich zurecht und viele Dinge logisch. Dem Setting kommt zugute, dass die Entwickler von einer Gesellschaft im Hier und Jetzt ausgehen und darauf ihre Geschichte und Spielwelt entspinnen. Somit ist trotz des eigenartigen Settings keine größere Abstrahierungsleistung beim Spieler vonnöten. Die Gefährten und Fraktionen sind angenehm unterschiedlich und bergen die ein oder andere sehr moralische Entscheidung. Das fühlt sich richtig gut an!


    Kampf- und Questsystem

    Apropos Monster. Die Feinde in Elex zu besiegen ist anfänglich doch sehr frustrierend. Das Kampfsystem ist sperrig und fummelig. Unsere schwache Rüstung und rostige Axt tun ihr übriges. Das Kampfsystem von Elex hat mir einige Stunden "Einarbeitung" abverlangt. Ich bin gerade zu Spielbeginn oft gestorben und habe mir an so manchen Gegnern die Zähne ausgebissen. In Elex muss man auch eines stark verinnerlichen: Ich kann zunächst nicht überall lang und jeden Gegner besiegen. Ich muss erfinderisch sein, manchmal auch abhauen oder alternative Wege suchen. Nach ungefähr 15 Spielstunden hatte ich das Kampfsystem dann auch restlos verstanden. Eine Kombination aus leichten und schweren Angriffen, kombiniert mit verschiedenen Ausweichritualen, gehören schließlich einstudiert. Für meinen Geschmack hätte das Kampfsystem noch ein wenig mehr Entwicklungszeit benötigt. Man merkt dem Spiel an, dass es die unterschiedlichsten Waffen miteinander kombinieren muss.

    Was definitiv genug Entwicklungszeit abbekommen hat, ist das Qestdesign! Selten hatte ich so viel Spaß mit den kleineren Geschichten im Spiel. Die Hauptquest ist recht langwierig und wird zu Spielbeginn wenig voran getrieben, aber die Nebenquests haben es in sich. Sie sind sowohl vielfältig in ihrer Art und Weise als auch interessant und lohnend. Mal müssen wir einem Mörder auf die Schliche kommen, dann müssen wir Waren von A nach B bringen, oder müssen Menschen überzeugen, verschiedene Dinge zu tun, aber auch einfach ein paar Monster töten. Diese Liste könnte ich noch sehr lange weiter führen. Die Nebenquests fühlen sich nicht nach hektisch designten Beiwerk an, sondern bereichern das Spiel enorm. Die meisten Quest haben zudem noch unterschiedliche Herangehensweisen, alternative Enden, Wendungen und interessante Verknüpfungen untereinander. Die Quests, also das Prunkstück eines jeden Rollenspiels, haben mich bei Laune gehalten und motiviert Elex eine echte Chance zu geben.


    Die Inszenierung

    Elex ist wahrlich kein optischer Meilenstein der Spielegeschichte, aber es ist weit entfernt davon, nicht zeitgemäß oder gar hässlich zu sein. Die Spielwelt ist auch mit dem geringerem finanziellen Budget des Entwicklers, wie oben beschrieben, gut gelungen, und das gilt auch für seine Optik. Es gibt sehr schöne und bombastische Momente im Spiel, wenn die Sonne gut steht oder das Lichtspiel einen Ort toll inszeniert. Die Flora und Fauna ist gut gelungen. Auch, wenn alles im Detailblick recht lieblos und texturarm aussieht, sind gerade die Gesamtbilder der Szenarien gut gelungen.

    Die Quests und die Story kommen meist ohne Cutszenes aus. Die Animationen der Protagonisten sind natürlich längst nicht auf einem Witcher-Niveau, aber die Werke sind aufgrund ihrer unterschiedlichen Ausgangssituationen, was Manpower und Finanzen ausgeht, schwer zu vergleichen. Elex ist in diesem Punkt grundsolide, ohne zu glänzen. Es ist schlichtweg spielbar und nicht störend, hat sogar seine sehr schönen Momente. Die ein oder andere besser inszenierte Cutszene hätte dem Spiel aber sicherlich gut getan. Das Inventar, was zur Inszenierung dazu gezählt werden könnte, ist allerdings wirklich nicht gut gelungen. Hier hätten ein paar farbige und nachvollziehbarere Symbole der Übersichtlichkeit gut getan.


    Was motiviert?

    Bei all den beschriebenen Dingen: Was motiviert eigentlich in Elex? In keinem anderen Rollenspiel hatte ich bisher dieses Gefühlschaos. Zuerst ist ein Gegner zu stark für mich. Dann werde ich besser und der Gegner ist immernoch ziemlich stark. Also muss ich mir Gedanken machen, wie ich ihn besiegen könnte. Aber es will und will einfach nicht gelingen. Fünf Mal knapp gestorben, zehn Mal knapp gestorben. Das darf doch nicht wahr sein! Elfter Anlauf und endlich der Sieg! Das fühlt sich in Elex unbeschreiblich an. Dazu gibt es Erfahrungspunkte und endlich den lang ersehnten Levelaufstieg. Elex ist ein Spiel, wo sich ein Levelaufstieg endlich richtig auszahlt und mich stärker und stärker macht.
    Das System ist clever gelöst, weil es Frustration extrem belohnt. Sowohl gefühlstechnisch beim Spieler, als auch spieltechnisch mit Fortschritten. Dieses System motiviert genauso wie die bereits erwähnten tollen Nebenquests. Schade, dass das Inventar in Elex keine Kapazitätsgrenzen hat, denn das würde das Spiel zwar noch schwieriger machen, gleichwohl aber auch noch ein Stück interessanter und taktischer.


    Das Fazit

    Elex ist sicherlich kein Spiel für Jedermann und will es vermutlich auch gar nicht sein. Elex ist ein Spiel für Action-Rollenspielfans und Liebhaber guter Questreihen. Für Fans der Spiele von Piranha Bytes ist es sowieso ein Pflichtkauf, weil es die seit jeher bekannten Schwächen, aber auch deren Stärken mitbringt. Für alle anderen gilt: Wenn ihr euch auf ein Spiel einlassen, euch am Erkunden einer rauen offenen Welt erfreuen und Motivation in Levelaufstiegen finden könnt, dann ist Elex etwas für euch. Sucht ihr eher nach einer "sanften" Kost, nach einfacher Unterhaltung am Abend, dann solltet ihr vielleicht eher die Finger von Elex lassen.


    Stärken:

    • Lebendige offene Welt
    • Tolles Questdesign
    • Interessante Charaktere und Fraktionen

    Schwächen:

    • schnöde Inszenierung
    • frustrierendes Kampfsystem
    • Unübersichtliches Inventar



    Elex ist, wie eingangs erwähnt, ein Spiel, welches es mir anfänglich nicht leicht gemacht hat es zu mögen. Aber als ich die ersten Hürden gemeistert, die ersten Level, Berge und Szenarien erklommen hatte, zog es mich einfach in seinen Bann. Elex ist ein tolles Rollenspielerlebnis für Spieler, die auf Triple-A-Spektakel zugunsten einer liebevoll handgefertigten Welt verzichten können.


    Ich kann Elex nur weiterempfehlen. Nicht zuletzt auch, um den Spielestandort Deutschland zu unterstützen: Gebt dem Spiel eine Chance! Das hat es sich verdient.


    Habt ihr Elex gespielt? Was gefällt euch und wo seht ihr die Stärken und Schwächen? Diskutiert mit mir im Forum über Elex!


    Ihr interessiert euch für Elex? Unterstützt das Spielerheim mit einem Kauf bei unserem Partner: Elex bei Gamesplanet.com kaufen!

Teilen

Kommentare 1