Im vierten Teil der First Look Serie dreht sich alles rund um die Tycoon-Mechaniken und die Stadtbedürfnisse in Transport Fever 3.
Die Transport Fever-Serie erfreut sich seit jeher grosser Beliebtheit in verschiedenen Spielergruppen. Wie viele Open-End-Spiele ist sie offen für unterschiedliche Spielstile und Zielsetzungen. Für manche Spieler ist es das Erreichen eines bestimmten Datums, für andere unermessliches Firmenvermögen und wieder andere wollen die Karte vollständig erschliessen. Manche bevorzugen storygeführtes Gameplay in einer Kampagne, andere völlige Gestaltungsfreiheit im Sandbox-Modus.
Bei der Konzeption von Transport Fever 3 wurde ein besonderes Augenmerk auf all die verschiedenen Zielgruppen der Transport Fever-Reihe gelegt. Insbesondere der Fokus, die Tycoonmechaniken auszubauen, hat zu einem modularen Ansatz geführt: Das Spielerlebnis, die Komplexität und die finanziellen Rahmenbedingungen lassen sich nach eigenen Vorlieben anpassen mit vordefinierten Schwierigkeitsgraden und individuellen Einstellungen für viele Mechaniken, die sich auf Wunsch sogar komplett deaktivieren lassen.
Wer sich an besonderen Challenges probieren möchte, kann in acht unterhaltsamen Missionen der Kampagne verschiedene Ereignisse der Weltgeschichte aufgreifen und sich abwechslungsreichen Herausforderungen stellen.
Vom Junior-Unternehmer zum Tycoon
Für alle, die im freien Spiel gerne ein Ziel vor Augen haben, gibt es in Transport Fever 3 nun ein komplett neues Rangsystem. Zuerst als Junior, muss der Spieler die Welt erschliessen und wird daran gemessen, wie hoch er die Weltbevölkerung wachsen lässt. Je mehr Einwohner die Welt zählt, desto höher steigt er auf, bis hin zur ultimativen Stufe Tycoon. Und je höher er aufsteigt, desto mehr Boni werden freigespielt, welche wiederum benutzt werden können, um diverse Vorteile bei der Erschliessung der Welt zu erlangen.
Die Spielwelt in Transport Fever 3 ist nun in verschiedene Gemeindegebiete aufgeteilt, die jeweils die Region um eine Stadt umfassen. Diese spielen eine grosse Rolle bei den strategischen Überlegungen des Spielers, da sie einen Einfluss auf verschiedene Spielmechaniken haben, sei es bei positiven Bonuseffekten oder negativen Auswirkungen, beispielsweise durch Verschmutzungen und Abholzung. Es muss deshalb immer gut abgewogen werden, wo etwas gebaut wird, um das Maximum heraus zu holen.
Ein gutes Beispiel ist die Platzierung des Firmensitzes am Anfang des Spieles. Da er nur die nächstgelegene Stadt mit einem Wachstumsbonus versieht und bei späteren Erweiterungen des Firmensitzes noch etliche weitere Boni dazukommen, muss der Spieler schon früh wichtige Entscheidungen treffen. Diese Firmensitz-Erweiterungen werden übrigens auch durch höhere Ränge im Unternehmen freigeschaltet. Es lohnt sich also, ein Auge auf die gesamte Entwicklung der Welt zu halten, und nicht nur auf eine einzelne Region.
Die Gemeindegebiete umfassen nicht nur die Stadt, sondern auch die Region darum
Neben den Firmensitz-Erweiterungen gibt es eine Vielzahl einzigartiger Wahrzeichen. Sobald sie vollständig aufgebaut sind, haben sie jeweils einen spezifischen Effekt auf die Region, in der sie gebaut wurden. Entsprechend ist auch hier das Geschick des Spielers gefragt, um die optimale Position für den besten Einsatz des Bonuseffekts zu finden. Es winken aber auch Boni, mit denen der Spielverlauf beeinflusst werden kann. Einer davon ist die Prospektion neuer Rohstoffvorkommen in der Umgebung einer vom Spieler gewählten Stadt. Es gibt aber auch Marketingkampagnen für Städte, sowie weitere Mechaniken und Gebäude mit speziellen Eigenschaften. Aber Achtung, viele Massnahmen stehen nur in einer begrenzten Anzahl zur Verfügung oder haben Nebeneffekte. Dadurch ist der Spieler gezwungen, stets strategisch vorzugehen.
Das Luftschiff zeigt: Hier läuft gerade eine Marketingkampagne
Vom Kleinen Weiler zur Grossen Metropole
Die kleinsten Siedlungen mit teils weniger als 100 Einwohnern werden als kleine Weiler bezeichnet. Von dort sind es über Dörfer bis zu den Metropolen insgesamt 18 Wachstumsstufen, für die jetzt neu Erfahrungspunkte benötigt werden. Erfahrungspunkte gibt es sowohl für den Transport von Passagieren als auch bei der Versorgung mit den benötigten Gütern. Diese Mechanik koppelt das Wachstum der Stadt nun direkt an die Erfüllung ihrer Grundbedürfnisse. So verstehen Spieler viel schneller, was sie tun müssen, um das Wachstum anzukurbeln.
Für Passagiere, welche auf dem Weg vom Wohnort zum Arbeitsplatz bzw. zum Einkaufen lediglich in der gleichen Stadt unterwegs sind, gibt es weniger Erfahrungspunkte als für diejenigen, die von Nachbarstädten oder noch weiter weg anreisen. Dies bietet einen Anreiz für eine aufwändigere und teurere Infrastruktur.
Ganz ähnlich funktioniert es bei den Güterbedürfnissen. Städte benötigen abhängig von ihrer Grösse verschiedene Mengen unterschiedlicher Gütertypen. Je komplexer der Gütertyp, also wie viele Industrien in der Produktionskette liegen, desto mehr Erfahrungspunkte gibt es für die Stadt, in der sie abgeliefert werden. Daher ist auch hier zu entscheiden, ob der Fokus eher auf einfache Lieferketten gelegt werden soll, die viele Güter für wenige Erfahrungspunkte in die Stadt bringen, oder eher auf komplexe Lieferketten, welche weniger, aber dafür stark wachstumssteigernde Güter liefern.
Über 400 neue Stadtgebäude spiegeln das dynamische Stadtwachstum wieder
Städte in Transport Fever 3 werden aber nicht einfach nur grösser, wenn man ihre Personen transportiert und die Güternachfrage deckt. Je grösser eine Stadt wächst, desto mehr Probleme werden auftauchen. Jede Stadt bewertet daher ihr eigenes Wohlbefinden anhand von 6 Bewertungen, welche alle direkt durch Aktionen des Spielers beeinflusst oder indirekt durch deren Infrastruktur verursacht werden:
- Ruf: Wenn für den Bau eines Flughafens ein ganzer Wald abgeholzt werden muss oder riesige Erdmassen bewegt werden, verärgert das die Anwohner. Ein schlechter Ruf erholt sich über längere Zeit. Es gibt aber auch Möglichkeiten, den Ruf aufzubessern, wie zum Beispiel das Pflanzen vieler Bäume.
- Zufriedenheit: Das Wohlbefinden der Fahrgäste hängt von ihrer Reiseerfahrung ab. Sie dürfen nicht zu lange an Stationen warten müssen und auch die Reisezeiten werden bewertet. Damit sie auch bei längeren Reisen nicht unglücklich werden, kann es sich lohnen, in schnellere oder komfortablere Fahrzeuge zu investieren.
- Lieferung: Alle Güter haben eine erwartete Lieferzeit. Während Lebensmittel eher zeitkritisch sind, haben Schüttgüter wie Steine eine deutlich höhere Toleranz. Entsprechend braucht es für diese vielleicht auch nicht die teuren, schnellen Flugzeuge und der langsame Seeweg ist die wirtschaftlichere Option. Zu spät gelieferte Güter bringen zwar immer noch Einnahmen, aber die Bewertung der Stadt sinkt.
- Verkehr: Grössere Städte haben mehr Einwohner. Diese wollen auch an ihre Ziele kommen. Wenn die Stadt irgendwann im Verkehr versinkt, sinkt auch dieser Wert. Dann ist es an der Zeit, die Infrastruktur zu verbessern oder in guten öffentlichen Verkehr zu investieren.
- Lärm: Die Bewohner der Wohngebiete mögen keinen Lärm. Das stellt den Spieler vor ein Dilemma. Kurze Wege zum lauten Bahnhof, oder lieber doch den grossen Verkehrsknoten am Stadtrand und die nahe Erschliessung mit leisen Bussen und Trams? Das erhöht aber wiederum die Reisezeit und kostet zusätzlichen Unterhalt.
- Verschmutzung: Industrien, Infrastruktur und Fahrzeuge verursachen Verschmutzung. Da diese im ganzen Gemeindegebiet erfasst wird, kann nicht einfach nur um die Stadt herum gebaut werden. Um zusätzliche Schmutzquellen zu vermeiden ist es wichtig, die Infrastruktur minimal aufzubauen und möglichst effizient zu nutzen.
Die Stadtbewertung ist also ein Zusammenspiel aus der Qualität der Transportlinien, der Verkehrssituation und von Umweltaspekten und skaliert die Anzahl der verdienten Erfahrungspunkte.
Die Bewertungen zeigen an, wie sich Wartezeiten auf die Passagierzufriedenheit auswirken
Dabei beschränkt das Minimum dieser Werte den Wachstumsfaktor, also wie ergiebig die gesammelten Erfahrungspunkte für die Stadt wirklich sind. Es ist deshalb nicht ratsam, das eigene Netzwerk ohne Rücksicht auf die Städte aufzubauen oder einen der Aspekte auf Kosten der anderen zu perfektionieren. Vielmehr muss der Spieler die Abdeckung der Grundbedürfnisse und die Infrastruktur in und um die Städte miteinander balancieren, um alle Bewertungen zu maximieren, und so eine möglichst hohe Wachstumstrate zu erwirken.
Städtewachstum, neue Fahrzeugtypen und Veränderungen in den dynamischen Industrien sorgen zudem dafür, dass sich die Rahmenbedingungen immer wieder ändern. Im Verlauf des Spiels stellen sich so kontinuierlich neue Herausforderungen und es gilt aus den vielen Optionen diejenige zu wählen, die gerade am besten passt. Denn jede Entscheidung hat auch ihre Nebenwirkungen.
Lärm und andere Wachstumsfaktoren sind in den dazugehörigen Layern einsichtbar
Vom Tycoon-Spiel zur Sandbox
In Transport Fever 3 werden der eigenen Kreativität keine Grenzen gesetzt. Darum gibt es beim neuesten Teil der Serie auch wieder eine Vielzahl an Möglichkeiten, das Spielerlebnis frei zu gestalten.
Alle Kosten im Spiel können einfach ausgeschaltet werden. Damit kann der Spieler alles bauen, ohne sich um Finanzen und begrenzte Budgets sorgen zu müssen. Wem das nicht ausreicht, der kann sich auch gleich von Anfang an zum Tycoon befördern lassen und erhält alle Boni und Wahrzeichen direkt von Beginn an.
Am mächtigsten ist der Sandbox-Modus, mit dem sich etliche zusätzliche Werkzeuge freischalten lassen, um die Welt nach Belieben zu gestalten und zu steuern. Sie ermöglicht unter anderem, in der Zeit vor und zurück zu reisen und erlaubt es, neue Städte zu gründen und alle Industrien frei zu platzieren.
Der Kreativität sind im Sandbox-Modus keine Grenzen gesetzt
Darüber hinaus wird Städtebauern im Sandbox-Modus in Transport Fever 3 einiges geboten: Wer gerne mehr Kontrolle über die Städte hat, kann unter anderem die zu liefernden Frachtarten konfigurieren und die Stadtgrösse nachträglich verändern. Wen das Stadtwachstum stört, kann Städte auch komplett einfrieren. Wer ihnen einen individuellen Charakter verleihen möchte, kann die prozentuale Verteilung der Gebäudelevel anpassen. Von reinen Vorortsiedlungen bis zu ausgeprägten Skylines ist alles möglich. Wer nicht so weit gehen will, aber trotzdem mehr Kontrolle über einzelne Städte haben möchte, kann auch einfach die oben beschriebenen Bedürfnisse der Städte neu gewichten.
Vom System zur eigenen Geschichte
Die in dieser Episode vorgestellten Tycoon-Mechaniken können selbstverständlich auch Grundlage für Mods sein. So ist es z.B. möglich, in Fracht-Modifikationen festzulegen, welche Frachtarten ab welchem Level von den verschiedenen Stadtvierteln benötigt werden können und zusätzliche Wahrzeichen lassen sich einfach ergänzen. Da bietet Transport Fever 3 der Modding-Community ganz viele neue Möglichkeiten.
Zwischen expandierenden Städten und steigenden Unternehmensrängen zeigt sich: Jede Strecke, die gebaut wird, schreibt ihre eigene kleine Erfolgsgeschichte. Deshalb sind wir gespannt, welche Geschichten ihr in Transport Fever 3 erzählen werdet.
Matthias Gürtler
Lead Product Engineer